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Sonnyboys und nackte Männer im Schnee

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Heilbronn – „Das ist die freakigste Runde des Jahres“. So kommentiert DasDing-Moderator Sandy Franke die Bands, die im Rahmen des Wettbewerbs Play Live um einen Auftritt im Halbfinale kämpfen. Austragungsort für die Region Heilbronn-Franken ist das Bürgerhaus Böckingen.

Hier heizen die fünf regionalen Kombattanten mit einem Mix aus Deutschrock und Dancehall, Rock’n’Roll und Ragga, Punk und Ska nicht nur musikalisch ein, sie buhlen mit Bonbons, Tröten und galaktischen Outfits (wie Revolution Starfighter) fünf schweißtreibende Stunden lang um die Gunst des Publikums. Um ein Uhr nachts steht der Vorrundensieger fest: „Die Zappler“. Sie sind sowohl die Publikumslieblinge, als auch für die dreiköpfige Jury die Nummer eins.

Die sieben Sonnyboys aus Tübingen verstehen es, den Mainstream musikalisch zu bedienen und sich gleichzeitig durch Haltung und Texte ironisch davon zu distanzieren. Ein schnulziger Schmuseblues heult „Leila“ nach. „Ahoi, hübsche Dame“ lässt das Matrosenlied aufleben. Zu „Vollmilch forever“ schälen sich die Kerle mit ein bisschen Ballermann-Humba aus dem Hemd und stoßen mit Weizenbier an. Nicht ein Frontmann bestimmt bei den Zapplern den Ton, auch Schlagzeuger oder die andern Instrumentalisten dürfen die Rampensau rauslassen. Im Rotationsprinzip geht’s ab in wärmere Gefilde, wo „der Speck auf den Bäumen hängt“ und einen die „schwarzen Augen der Signorita Margarita aus der Bahn werfen“. Partystimmung pur, die von Polonaise und Lichterschwenken bis hin zum Headbanging alles bietet, was Laune macht.

Knapp war die Entscheidung, denn auch die charismatischen Jungs der zweitplatzierten Band „Soundition“ aus Weinheim und die schrägen Eigenkompositionen – über nackte Männer im Schnee, den Sportlehrer Herrn Hans und das Nagetier Biber – der drittplatzierten „Süd-Apotheke“ aus Kirchheim/Teck, überzeugen die Jury durch ihre authentischen Darbietungen mit viel Wortwitz und intensivem Körpereinsatz.

„Der Wettbewerb steht auf den Säulen Fairness, Transparenz und Feedback“, erklärt Pierre Seidel vom Popbüro Stuttgart das Konzept. Die Gruppen unterstützen sich gegenseitig, denn wichtiger als die Rivalität und der Gewinn – für den Vorrundensieger sind das 300 Euro plus Teilnahme am Halbfinale – ist die Chance, Erfahrungen zu sammeln und dazuzulernen.

Bis in die Morgenstunden wird gefachsimpelt. Erpicht auf Kritik hören sich die Talente mit Zukunftspotential in der so genannten „Feedback-Lounge“ die Ratschläge der Profis an. Erschöpft taumeln dann alle in den nebligen Sonntagmorgen, gespannt darauf, wie es bei den beiden Halbfinalrunden in Weinheim (13. Juni) und Reutlingen (20. Juni) weitergeht.
Von Leonore Welzin

Heilbronner Stimme vom 22.04.2008

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