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Intergalaktische Jungs spielen mit Klischees

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Mörlenbach. Geradezu “intergalaktisch” ging es am Freitag auf dem Mörlenbacher Rathausplatz zu. Denn dort fand die abwechslungsreiche Kult(ur)Zeit ihren abschließenden Höhepunkt mit einem Konzert der Bands “Die Zappler” und “Ngobo Ngobo”. Eigentlich hätte auch die Formation “Hot Mustard” rocken sollen, ihre Auftritt musste jedoch kurzfristig abgesagt werden.

Um neun Uhr starteten deshalb “Die Zappler” mit einer gewagten Mischung aus Rock und Dieter Thomas Kuhn. Die sieben jungen Musiker aus Tübingen scherzten und musizierten anderthalb Stunden im Elvis-Outfit mit knallengem weißen Einteiler mit Schlag und tiefem Ausschnitt, ABBA-Kleidung und “Porno-Stil”. Sie schlugen einen Bogen zwischen Großstadt und Dorf, denn auf ihrer “intergalaktischen Tournee” sind sie schon viel herumgekommen.

Unterstrichen wurde der “intergalaktische” Ansatz mit grün blinkenden Sonnenbrillen und dem passenden Song “Intergalaktika”. Und wenn sie dann in der Großstadt sind, vermissen sie die vielen schönen Kühe vom Land. Deshalb gab es für die Zuhörer den “Reim von Daheim”, in gewisser Maßen eine Ode an die Kuh: “Vollmilch forever”.

Viel zu schnell ging das Konzert dieser “intergalaktischen Wesen” zu Ende. Das letzte Lied war dabei sogar richtig irdisch: Ohne groß auf der Fußball-Weltmeisterschaft herumreiten zu wollen, zeigten sie ihre Leidenschaft für das runde Leder in Form von “Tore und Amore” – “Denn Fußball ist immer noch etwas wunderschönes und wir freuen uns, wenn die Bundesliga endlich wieder los geht”, so der Frontmann René Royal. Und das müssen die Frauen doch bitte verstehen.

Vor rund zwei Jahren entstand die Band aus einer Bierlaune heraus. “Irgendwie kamen wir da auf die Idee: Komm, lasst uns mal Schlager machen”, sagt Peter Panik, Gitarrist der Gruppe. “Wir wollten das Klischee auf die Spitze treiben.” Doch aus dem scherzhaften Gedanken wurde schnell ein ernstes Projekt und “Bubenträume”, so der Titel des ersten Albums, gingen in Erfüllung.

Von Ballermann und Bierzelt sehen sie sich aber ebenso weit entfernt wie von Blanco und Black: Schlager-Core nennen sie ihre Musik. Von Schunkeln auf den Bierbänken bis zum Zappeln am Bühnenrand ist dabei alles erlaubt. Die Jungs verstehen es, den Mainstream zu bedienen und dennoch ihrer Musik eine eigene Note zu geben.

Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung vom 17.07.2010

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